Das ist mein Tag!

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Mein Tag beginnt mit dem Füttern der Pferde.
Also gibt es für jeden eine Portion Hafer und dann kümmere ich mich darum, dass auch die Pferde auf der Weide Hafer und Wasser bekommen.

Währenddessen fangen die anderen schon mal mit dem Misten an, denn jeden Morgen müssen die Boxen von Pferdeäpfeln befreit und das Einstreu wieder in der Mitte der Box gesammelt werden.
Hierbei kommt es wirklich auf ordentliche Arbeit an! Macht man es nicht richtig, bleiben oft Pferdeäpfel und nasses Einstreu zurück.
So wollen wir unsere Lieblinge ja aber nicht verkommen lassen und deshalb sollte eine Box auch grundsätzlich mehrmals täglich gemistet werden.

Ist dies dann geschehen, werden die Heunetze gefüllt und aufgehangen. Dabei ist zu beachten, dass diese möglichst so tief angebracht werden, dass das Pferd in natürlicher Weidehaltung fressen kann, sich jedoch nicht mit seinen Hufen in den Maschen verfängt.

Wir haben die Heunetze noch nicht allzu lange, aber ich finde sie jetzt schon sehr vorteilhaft. Sie bieten eine längere Beschäftigung und es gelingt den Pferden diesmal nicht, das ganze Heu auf dem Boden zu verteilen.
Außerdem spart dies auch viel Zeit beim Misten, nicht wahr?

Sobald wir dann alle Pferde versorgt haben, geht es erst richtig los, denn jetzt müssen diese auch alle in Bewegung kommen.
Das bedeutet: so viele Pferde wie möglich zu reiten, zu longieren, in der Führmaschine laufen zu lassen oder sie auf die Weide zu bringen.
Aber auf dem Gestüt reiten natürlich nicht nur wir, sondern auch jede Menge Reitschüler.
Für diese werden die Pferde nachmittags von der Weide geholt, was ich nicht unbedingt gutheißen möchte.
Zum Reiten gehört einfach mehr dazu als satteln und trensen. Die Arbeit beginnt, wenn man das Pferd von der Weide holt und endet, wenn man es wieder dorthin bringt.

Es geht doch darum, das Pferd kennenzulernen und eine zuverlässige, respektvolle und authentische Beziehung anzustreben, oder etwa nicht?

Allerdings verstehe ich auch, dass mancher ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn er EIN Pferd von 20 anderen trennen und ohne dass diese hinterherlaufen oder ähnliches von der Weide holen soll. Dies kann ein beängstigendes Gefühl sein.
Ich will auch nicht sagen, dass man sich in Gefahr bringen soll. Auf seine Sicherheit zu achten ist im Umgang mit Pferden das A und O, aber man könnte sich z.B. auch einfach mal eine zweite Person dazuholen und schauen wie es läuft.
Es sieht wahrscheinlich schlimmer aus als es ist und wenn mein Pferd und ich uns gegenseitig Vertrauen schenken, ist es sowieso nochmal etwas ganz anderes.
Wie ist es denn bei dir? Weißt du auch nicht was du machen sollst, wenn keiner dir das Pferd parat stellt oder gehört alles andere für dich auch dazu?

Mit den Reitschülern startet dann auch schon das Abendprogramm. Eigentlich geht dann alles wieder von vorne los.
Extrapunkte bekommen hier wieder die Heunetze. Wurden diese morgens schön voll gemacht, muss man abends vielleicht max. etwas nachfüllen, spart aber immerhin trotzdem noch total viel Zeit.

Jetzt sagen einige, dass ich ja den ganzen Tag nur dasselbe mache und das auf Dauer doch nur zu Langeweile führen kann.
Genau wie bei der Arbeit mit Menschen oder anderen Lebewesen ist kein Tag wie der andere. Jeden Tag stehst du vor neuen Aufgaben und Herausforderungen!
Besonders bei so vielen Pferden in einem Zuchtbetrieb.
Geburten, Krankheiten, Verletzungen, Tierarzt, Hufschmied, Besamungstechniker und ich könnte euch noch so viele Dinge aufzählen.

Ich versichere dir, langweilig wird es nie!

 

 

 

Pure Zeitverschwendung

Einen weiten Arbeitsweg habe ich nicht, da ich auf dem Gestüt wohne.
Ich habe ein Zimmer mit einem kleinen Kühlschrank, zwei Kochplatten und eigenem Bad.

Da auch noch zwei Auszubildende nebenan wohnen, wird es nie langweilig.

Ich muss zugeben, als ich zu hause ausgezogen bin, habe ich fast alle meine Sachen von dort mitgenommen.
Das war ein Fehler..

Mein Tag beginnt um 8 Uhr morgens und endet, soweit man es sagen kann, um 18 Uhr.
Pferde sind eben Lebewesen und das bedeutet, dass immer wieder irgendwelche Aufgaben und Dinge anstehen können, die man nicht einfach ignorieren kann, nur weil man „Feierabend“ hat.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass es einfach kein Beruf, sondern ein Lebensstil ist.

Wenn also irgendwann ein „Ende“ in Sicht ist und ich Freizeit habe, möchte ich vielleicht meine Familie und Freunde sehen und ansonsten einfach nur essen und schlafen.

Die Kiste mit den Dingen, die ich unbedingt von zu Hause mitnehmen musste, steht also immer noch unausgepackt in der Ecke herum und stört. Was drin ist kann ich euch auch schon gar nicht mehr sagen..

Also, vergiss die unwichtigen Sachen in deinem Leben und konzentriere dich auf das, was du willst, was dir wichtig ist und was dich voranbringt.
Alles andere ist pure Zeitverschwendung!

Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken

 

easy life

Mein Praktikum hat am 01. August begonnen und seitdem ist schon so viel passiert!
Der Anfang war hart. Ich, als ein eigentlich sehr fauler Mensch, der sich nach der Schule einfach gar nicht mehr bewegen möchte und am liebsten schläft, wurde natürlich jetzt mit sehr viel körperlich anstrengender Arbeit überflutet.
Ich konnte mich vor Muskelkater nicht bewegen und hätte es diesmal vielleicht sogar gewollt! Mein freies Wochenende bei der Familie habe ich verschlafen. Kraft und Nerven für meine verrückten Freunde konnte ich auch nicht mehr aufbringen..
Ihr könnt es euch nicht vorstellen. „Abgeschieden“ von der Außenwelt, körperlich fast am Ende und trotzdem! war und bin ich so glücklich mit den ungefähr 40 tollen Paint & Quarter Horses!

Es ist halt kein Beruf, sondern ein Lebensstil.

Aber wenn man sich erst mal an die Arbeit gewöhnt hat und wenn man ein funktionierendes Team hat, dann nennt man das bei uns „easy life“.

Der Kampf

Ich habe das Gymnasium bis zur Stufe 11 besucht.
„Besucht“ passt sehr gut, denn oft war ich nicht da. Ständig plagten mich Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder etwas anderes.
Doch mit der Zeit hat mir niemand mehr geglaubt und die Lehrer sowieso nicht..
Es war ein Kampf, das kann man wirklich sagen.


Zur Schule konnte ich mich nur schwer schleppen.
Anfangs dachte ich, es wäre das Aufstehen. Aber damit haben wir doch alle unsere Probleme, oder ?
Ich kam einfach nicht drauf, was mich so an der Schule quält. Mein „Ziel“ war es eigentlich, mein Abitur zu bestehen und dann meinen Traum, mit Pferden zu arbeiten, zu verfolgen.
Abitur zu haben wäre wichtig, dachte ich. Ich dachte, ohne Abitur werde ich nicht glücklich.
Doch die ganzen Fehlstunden haben es mir nicht vereinfacht. Ich habe viel vom Unterricht nicht mitbekommen, war aber auch nicht bereit, etwas nachzuarbeiten.
Sowieso wollte ich nichts für die Schule tun. Es war einfach absolut keine Motivation da.
Ich saß also nur herum und habe nichts getan. Das galt aber nicht nur für die Schule, sondern auch für zu Hause. Ich kam mir richtig träge und schlapp vor. Kraftlos und ohnmächtig.
Und die Vorwürfe, ob von den Lehrern oder von meiner Familie, haben mich nur noch weiter „heruntergezogen“.
Bis zu dem Tag als mich meine Pädagogik-Lehrerin nach dem Unterricht sprechen wollte.
Ihr war, wie allen, aufgefallen, dass ich sehr häufig fehle und sie fragte sich, was der Grund dafür sei.
In diesem Gespräch wurde mir klar, dass ich die Schule einfach als Zeitverschwendung empfand. Ich wollte immer nur mit Pferden zusammen sein und mit ihnen arbeiten. Sie sind so majestätische Tiere.
Also führte ich ein langes Gespräch mit ihr, in dem ich all meinen Gefühlen freien Lauf ließ.
Sie hörte mir zu und ging mit mir meine Möglichkeiten durch.
Letztendlich entschied ich mich dazu, die Schule zu unterbrechen und mit einem einjährigen Praktikum als Pferdewirtin mein Fachabitur anzustreben und endlich das zu tun, was ich will.
Und mit dieser Entscheidung fiel plötzlich jegliche Last von mir. Meine Eltern standen direkt hinter mir und meiner Entscheidung und entschuldigten sich sogar dafür, dass sie nicht gemerkt hatten, was für eine Qual das alles für mich gewesen war. Doch jetzt waren alle meine Schmerzen wie weggeblasen, mein Kopf war frei von Sorgen und es ging mir gut.
Es geht mir gut.
Den Rest der Schulzeit überstand ich nun locker. Ich stand motiviert auf, versuchte noch meine schlechten Noten zu retten und freute mich einfach auf das, was kommt.
Dann kam der letzte Schultag und ich will nicht sagen, dass es der glücklichste Tag in meinem Leben war, aber er war nah dran. Natürlich werde ich meine Freunde vermissen und auch die Zeit, die ich in der Schule hatte, aber ich gehe meinem Traum nach und das zählt mehr als alles andere.
Manche können meine Entscheidung nicht nachvollziehen, aber das müssen sie auch nicht.
Jeder weiß, was richtig für einen ist und eine für mich sehr wichtige Person sagte mal zu mir:
„Freunde können nicht jede deiner Entscheidungen nachvollziehen oder als „richtig“ empfinden, aber sie stehen hinter dir. Wenn sie dir nur im Weg stehen, brauchst du sie nicht.“
Und damit hatte sie Recht. Lass dich nicht von anderen aufhalten oder dir sagen, dass das, was du willst und tust, falsch ist.
Richtig oder Falsch liegt im Auge des Betrachters und mein Abitur kann ich auch später noch machen, WENN ICH ES WILL 🙂